2500m über dem Meer

Puh! Schon nach den ersten 10 Stufen am Flughafen mit meinem schwerem Handgepäck – der Fotoausrüstung – war ich komplett ausser Atem! Die Atemlosigkeit wird mein ständiger Begleiter werden in diesen Tagen in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens. Addis Abeba, die dritthöchsten Hauptstadt der Welt nach Quito (Bolivien) und Sucre (Equador).

Addis Abeba, die „Neue Blume“ in der  Sprache der größten Bevölkerungsgruppe, amharisch. Die Amhari und die Omori protestieren zur Zeit gegen die politische Vormacht der Tigray in der Regierung. Ethnische Unruhen sagt man gerne dazu. Wohl eher ein Konflikt um Ressourcen, es geht um Land, um Wasser, um Einfluss, der Cleavage ist hier aber nicht nur die Ethnie sondern auch der Konflikt Hauptstadt mit 5 Mio Einwohnern Stadt vs. Land, dessen Bevölkerung von 100 Millionen Einwohnern hauptsächlich auf dem Land lebt, 80% der Menschen arbeiten in der Landwirtschaft. Addis Abeba die neue Blume, denn die Stadt ist relativ jung. Hauptstadt erst seit 1889, Entwicklung zum Handelszentrum und nach einer kurzen Besatzung durch die Italiener – vom 5. Mai 1936 bis 5. Mai 1941 – kam das große Aufblühen erst in den 60ger Jahren des 20. Jahrhunderts durch die Ernennung von Addis Abeba zum Sitz der Afrikanischen Union. Auch die Vereinten Nationen haben hier seit Jahrzehnten ein großes Zentrum, all das bringt Diplomaten aus aller Welt hierher in teure Hotels, die alle dem Staat gehören und von den großen Ketten wie Hilton, Raddisson und Sheraton betrieben werden. Diplomaten, mit denen ich mir nun eines dieser Hotels teile.

Atemberaubende Schönheiten, vor allem die Frauen. Der aufrechte würdevolle Gang, die schwarzen Augen, die weiche schimmernde Haut und die wunderschönen Gesichtszüge. Im Hilton tragen sie dazu Schuhe, bei denen einem der Atem stockt: wird sie stolpern? Schuhe ohnegleichen, hoch und aussergewöhnlich. Die Frauen auf der Strasse, in traditionellen weissen, luftigen langen Gewändern mit Brokat oder auch in schlichter Alltags- oder Arbeitskleidung haben sehr schöne Gesichter und den gleichen aufrechten Gang. Man sagt, die Frauen verrichten hier die schwerste Arbeit auf den Baustellen und tatsächlich kann ich täglich von meinem Hotelfenster aus beim Bau eines Hochhauses eine junge Frau mit krausen langen schwarzen Haaren, zum Pferdeschwanz geflochten, beobachten, wie Sie Steine schleppt. Fairerweise gilt es zu erwähnen, dass auf der gleichen Baustelle auch Männer arbeiten, die schwere Zementsäcke schleppen. In atemberaubender Höhe und ohne jeden Schutz. Jeder für sich.

Abgase, die das Atmen erschweren. Braune Luft, dünne Luft. Leichte Übelkeit nach dem Aufwachen jeden Morgen, so müssen sich Schwangere fühlen. Hin und wieder leichter Schwindel aber vor allem Atemlosigkeit bei jeder Treppenstufe die mir begegnet. Meine Freunde sagen, es dauert bis zu einer Woche, bis diese Symptome, zu denen auch Schlaflosigkeit und leichte Kopfschmerzen gehören, verschwinden. Just, wenn ich dann auch wieder verschwinde…