Amöbenruhr & Heimreise

Heute bin ich krank und zu Hause: seit gestern Abend Durchfall, der heute immer schlimmer wurde. Wir haben morgens noch gemeinsam den Mietwagen abgegeben, alles ok, der halb volle Tank hat ueberhaupt keine Rolle gespielt, da hier ein ganzer Tank Benzin ja nur 1 Euro kostet. Mittags bin ich dann alleine mit einem offiziellen und teuren aber sicheren Taxi nach Hause gefahren und habe mich ausgeruht, Kamillentee getrunken um die Bauchkraempfe zu beruhigen. Hoffentlich ist es morgen besser, denn auf Reisen mit Durchfall ist nicht schoen. Obwohl hier die meisten Toiletten wirklich sehr sauber sind. Es gibt aber auch welche, die dreckig sind und kein Wasser haben. Seife gibt es auch in den sauberen fast nie, so habe ich mir angewoehnt, eine eigene kleine Seife mit mir herumzutragen, sowie jede Menge Kleenextuecher, denn Klopapier gibt es auch nicht ueberall und das Papier schmeisst man bz the way nicht ins Klosett, sondern in einen neben ebendiesen stehenden Behaelter, damit ersterer nicht verstopft…

Update:

Heute Nacht hohes Fieber, Kraempfe und Durchfall wie Wasser alle 20 Minuten. Heute frueh zum Arzt, dann ins Labor. Ergebnis: AmöbenruhrNa toll. Antonio ist auf dem Weg in die Apotheke, damit wir die Viecher tot kriegen bevor sie die Darmwand durchbrechen…
Interessant: die sehr starken, systematischen Antibiotika gegen Amöbenruhr kosten gerade mal 1 Euro, die „normalen“ Antibiotika hingegen, die einem verabreicht werden, um Nebeninfektionen zu vermeiden sind hingegen sehr teuer, eine Packung 80Euro!
Wir haben vor Reiseantritt eine Reiseversicherung bei der Hans Merkur abgeschlossen. Wie jedes Mal, seit 20 Jahren. Diesmal neu: eine Jahresversicherung fuer alle Reisen in diesem Jahr. Kostet 49 Euro. pro Person. Da ich nun verstaendlicherweise frueher zurueckfliegen moechte, um mich im Tropeninstitut in Tuebingen kontrollieren und nachbehandeln lassen mochte, habe ich uber das Reisebuero angefragt, ob das die Versicherung abdeckt. Diese hat sich nun eingeschaltet und mit mir telefoniert. Uebrigens nicht die Hanse Merkur selbst, sondern die ROLAND Assistance GmbH, wahrscheinlich der Outsourcer fuer die Abwicklung.Der Arzt aus Deutschland hat mit dem Arzt hier telefoniert. Die Kur, die mir zuteil wird ist richtig und gut. Laut IATA Vertraegen ist es aber nur gesunden Patienten erlaubt zu fliegen, die Fluggesellschaft kann jederzeit den Transport von kranken Patienten ablehnen. Die Versicherung muss der Fluggesellschaft melden, dass ich krank bin und wann ich wieder gesund bin. Sollte das bis Montag nicht der Fall sein, muss ich noch laenger hier bleiben und spaeter fliegen. Diese Kosten uebernimmt dann die Versicherung.
Heute sind wir fuer die hoffentlich letzten drei Tage ins Hotel umgezogen. Ins „Casa Infinito“ in dem Bezirk Alta Florida. Der Grund: seit gestern Abend gab es in der Wohnung unseres Freundes weder Wasser noch Gas, auch heute nicht, es werden Wartungsarbeiten durchgefuehrt. Heute Nacht haben wir uns sehr erschrocken, da es ganz in der Naehe eine Gasexplosion gab, die so laut war, dass wir beide davon aufgewacht sind.
Inzwischen geht es mir besser, mein Darm hat sich beruhigt und ich mich auch. Meine Gemuetslage ist auch wieder etwas besser, ich will zwar immer noch schnellstmoeglich nach Hause, habe hier aber in dieser Posada das erste Mal seit 3 Wochen, eine Dusche, die sofort warmes, nein, sogar heisses Wasser UND dazu noch einen hohen Wasserdruck bietet; die Betttwaesche ist strahlend weiss und gebuegelt (!), alles sauber, wir haben eine fantastischen Blick ueber die riesige Stadt und auf den Berg Avila und es ist verhaeltnismaessig ruhig. Es gibt eine schoene von Bougainvillen ueberwachsene Veranda und eine Terasse zum Sonnenbaden. Die Posada gehoert einem Italiener, der in La Hatilla ein Antitquitaetengeschaeft hat – sieht man mal wieder die Europaeische Hand? Wir haben hier auch eine weiblich-familiaere Atmosphaere gefunden, die mir gut tut. Hier vor Ort sind 6 Frauen: 3 Gaeste: die zukuenftige Schoenheitskoenigin Venezuelas, die sich gerade die Nase hat operieren lassen und dementsprechend ein furchtbar entstelltes Gesicht hat, das sie vor der Aussenwelt verstecken will, ihre Mutter und eine weitere unbekannte Schoene, die Koechin oder Chefin, eine zweite Koechin und Ihre Tochter. Die Atmosphaere in der Kueche, wo wir Frauen uns aufhalten (ich wollte nach dem Schlaf einen Kaffee) ist warm und herzlich und sie tut mir gut. Es wird getratscht und es wird erzaehlt und Anteil genommen, zum Beispiel am Rosenkrieg der juengeren Koechin mit ihrem Ex Ehemann (Streit ums Kind). Ich fuehle mich hier wohl und sicher und ich bin zuversichtlich, am Montag endlich in den Flieger  nach Hause zu steigen.
Nie habe ich mich so auf zu Hause gefreut wie dieses Mal!

Heimreise

Wir sitzen am Gate. In ein paar Stunden geht es los. Was ich noch nicht weiss: wir werden direkt vor dem Einstieg von der Militärpolizei in eine Frauenschlange und eine Männerschlange getrennt. Direkt am Flugzeug werden wir Frauen von Militärpolizistinnen oberflächlich untersucht, scheint eher eine Show als eine ernsthafte Sicherheitskontrolle zu sein. Trotzdem liegen meine Nerven blank, denn ich bin von Antonio getrennt und habe Angst, dass er aufgehalten wird. Beim Besteigen der Lufthansa Maschine fühle ich mich einerseits erleichtert und sicher, andererseits habe ich große Sorge um Antonio. Ich bitte den Stewart, nicht zu starten, bevor mein Mann, den ich ih kurz beschreibe, an Board ist und nenne ihm unsere Sitzplätze. Er sieht meine Angst und verspricht es mir. Nach einer Viertelstunde kommt er zu mir, um zu checken, ob Antonio inzwischen da ist. Da habe ich bereits einen Nervenzusammenbruch und heule. Ich sage ihm, dass ich wieder aussteige, wenn Antonio nicht unter den Passagieren ist. Nach weiteren unendlich langen Minuten kommt Antonio dann strahlend zu mir und erzählt, ein Steward hätte ihn angesprochen, dass seine Frau schon sehnsüchtig auf ihn warte – was denn los wäre? 
Naja, mein Nervenkostüm war wohl sehr dünn nach der Erfahrung mit den (Un-) Sicherheitskräften (siehe Eintrag Polizeipiraten), geschwächt durch meine Krankheit. Nun freu ich mich auf Wasser und Seife auf den oeffentlichen Toiletten. Strassen ohne Schlagloecher und massenweise zerquetschte und enthaeuptete Hunde. Rechtssicherheit. Frische Luft. Angstfreies Ausgehen. Laugenweggle mit Butter 🙂
Vermissen werde ich: Die netten Menschen. Das angehme Klima. Die faszinierende Natur. Die Vorurteilsfreiheit und Neugier der Menschen. Die Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit. Die schwarzen Bohnen.