Venezuela 2012 – Wir sind angekommen!

Nach 10 Stunden Flug von Frankfurt nach Caracas sind wir endlich da! Wir verlassen die Sicherheitszone des Flughafens und Antonio, ganz Kavalier, schiebt meinen grossen bunten Bluemchenkoffer zur Telefongesellschaft, um eine venezoelanische SIM Karte zu kaufen. Ich trotte hinterher. Auf dem Weg dorthin wird er mehrfach angesprochen, Geld tauschen? Taxi? vermute ich – nein. Die Leute lachen, weil sein Koffer so schwul aussieht und er immer wieder auf mich zeigen und versichern muss, es sei meiner! 😉

(A propos schwul: heute frueh finde ich eine Anzeige einer Regierungs-Institution in der Zeitung: „Homosexualitaet ist keine Krankheit, Homophobie hingegen schon“.)

Wir kaufen fuer 50 Bolivares eine SIM Kard und laden diese fuer weitere 50 Bolivares auf. 50 Bolivar sind ca. 10 Euro.  Jetzt sind wir stolze Besitzer einer venezoelanischen Handynummer! Hier ist sie:  null null fuenf acht, vier eins zwei, neun zwei acht, null zwei drei zwei.

Ein vorbestellter Taxifahrer wartet auf uns mit einem Schild. Da wir wissen, wie er heisst, lassen wir uns zur Sicherheit seinen Namen sagen, denn es soll schon vorgekommen sein, dass ein anderer schlauer, einfach den Namen abgeschrieben, und sich weiter vornehin gestellt hat, um die Touristen dann gleich in seinem Taxi abzuschleppen. Unser „Senor Mata“ nimmt leicht angewiedert den bunten Bluemchenkoffer und rennt (damit ihn keiner seiner Macho Kollegen sieht?) zu seinem Wagen, mit dem wir dann benebelt durch die Abgase der Busse losfahren. Senor Mata wirkt sehr sympathisch und das ist er auch, stellen wir schnell fest.

Wir waren das letzte Mal 1995 hier, fange ich ein Gespraech an….  Ja, da hat sich viel verandert! Wir werden Caracas nicht wiedererkennen! geht er gleich darauf ein. Ist es besser oder schlechter geworden? Es ist schlechter geworden, wegen dieser Regierung, diesem Praesidenten, der jetzt hoffentlich abgewaehlt wird, schnaubt er. Er sei von Anfang an gegen Chavez gewesen, haette ihn noch nie gewaehlt. Was denn schlechter sei? Die Strassen zum Beispiel, flucht er. Ich verkneife mir zu sagen, dass diese in der Basilikata auch nicht besser sind und 1995 ueberall die Dohlen-Deckel gefehlt haben (siehe Beitrag unten). Ausserdem haette die Kriminalitaet zugenommen, es sei unertraeglich und wir sollten aufpassen, abends nicht weggehen.

Wir fahren an mehreren Grossbaustellen vorbei. Viviendas, Wohnanlagen werden hier gebaut, um den Opfern eines Erdrutsches im Armenviertel, ein neues Heim zu geben. „Opfern in Anfuehrungszeichen“, sagt Senor Mata. Wir fragen nicht, was er meint. Antonio leidet schon genug unter diesem geballten Anti-Chavismus. „Du bist der Sozialismus, der diese Werke realisiert“ steht auf einem Plakat: „20% Deiner Steuern fliessen in Bildung, sozialen Wohnungsbau, Aerztliche Versorgung“. Erinnert ein bisschen an Kuba, was da so auf den Waenden steht.

El Mata bringt uns nach Montalban, wir suchen gemeinsam eine Viertelstunde lang die Adresse, denn es gibt hier keine Hausnummern, sondern die Haeuser haben Namen: Maria, Isabel, oder El Gota. Ah! Wir sind in einer „bewachten Zone“, die Strasse ist mit einem hohen Zaun gesperrt, vorbei darf nur, wer dem Waechter koscher vorkommt. Das tun wir. Wir passieren, und finden dann auch den Eingang, Cesar kommt runter und begruesst uns. El Senor Mata bekommt 50 Dollar und empfiehlt sich fuer die Rueckfahrt.

Cesar nimmt uns vor dem Eingangstor in Empfang und informiert gleich nach dem Tor die giessende Hausmeisterin, dass wir sein Besuch sind. Ich schaue nach oben: bis ganz oben sind die Fenster vergittert! Wir betreten den Hausflur, durch eine verschlossene Glastuer. Der Aufzug faehrt nur mit einem Chip, dann kommt ein aufzuschliessendes Eisengatter vor der Haustuer, dann die Haustuer selbst. Dann sind wird da! Ein grosse Wohnung voller Luft und Licht!

Links das Wohnzimmer, in der Mitte die elektrische Art, Warmwasser zu erzeugen, rechts der Blick aus dem Fenster.