Taxipiraten

Wir haben es heute nicht geschafft, aus Caracas abzureisen. Nachdem wir seit Samstag versuchen, einen Mietwagen zu bekommen, wollten wir heute um 11.30 mit dem Bus nach Barquisimeto fahren, doch auch das ist uns nicht gelungen, da alles ausgebucht war. So sind wir mit unseren schweren Taschen nicht weit vom Busterminal entfernt zu den Bekannten von Antonios Vater in Chacao gegangen und haben darum gebeten, die Taschen dort abstellen zu duerfen, was netterweise geklappt hat. Dann sind wir zu Hertz (das dritte Mal in 3 Tagen) und haben es dann endlich geschafft, fuer morgen frueh um 9 Uhr einen Wagen zu reservieren.

Dafuer waren wir dann am Nachmittag im Museum Bellas Artes und haben uns eine Ausstellung ARTE POLITICA angeschaut, mit Werken von Picasso und Gabriel Bracho, Luis Chacon sowie Fotografien von Luis Molina Pantin. Gratis. Fotos davon gibt es hier.

Sehr interessant waren heute unsere Erfahrungen mit dem Taxi in Caracas. Am morgen ist Antonio auf die Strasse gegangen, um ein offizielles Taxi zu suchen. Ich habe zu Hause mit dem Gepaeck gewartet. Wir wurden sehr oft gewarnt, nur Taxis mit den gelben Nummernschildern zu nehmen, da es viele „Taxipiraten“ gaebe. Deren einziges Ziel es ist, Kunden auszurauben oder „Express-Entfuehrungen“ durchzuefuehren. So haben wir immer Angst vor dem Taxifahren.

Naja und heute morgen, als wir dann in einem offiziellen Taxi sassen, hat uns der Taxifahrer gestanden, dass er bei Antonio nur angehalten haette, da dieser nicht wie ein Einheimischer sondern irgendwie anders aussieht. Sonst haette er nicht angehalten. Denn es gaebe viele falsche Kunden, die nur in ein Taxi einsteigen, um den Taxifahrer auszurauben oder, wenn er nicht genuegend Geld dabei hat, eine „Express-Entfuerhrung“ mit ihm durchzuefuehren. Na toll. Wir haben Angst vor ihm und er hat Angst vor uns.

Das gleiche ist uns heute Abend auf der Rueckfahrt passiert mit unserem Gepaeck wieder nach Hause: wir haben uns ein offizielles Taxi per Telefon rufen lassen und es kommt ein Privatfahrzeug, ohne gelbes Nummernschild. Der Ladenbesitzer in Chacao, bei dem wir die Taschen gelassen haben und der uns das Taxi besorgte, versichert uns, das alles ok sei. Wir also rein ins Taxi und gleich ein Gespraech anfangen, das kommt immer gut, dann ist die Hemmschwelle uns auszurauben vielleicht niedriger? Wir fragen also, was dies fuer ein Privattaxi sei? Er erklaert uns, dass diese Taxis nur auf Bestellung ueber eine Zentrale kommen, alles wird dokumentiert, wer anruft und wohin das Taxi bestellt, welcher Taxifahrer kommt, etc. Eigentlich wie bei uns in ALEMANIA. Zur Sicherheit. Denn die Taxifahrer haben Angst. So auch er. Sie haben Angst vor uns und wir vor ihnen. Gerade ist auch ein Buch erschienen: Caracas aus der Sicht der Taxifahrer.

Ende gut, alles gut: wir sind heute Abend auf der Geburtstagsfete der Freundin von Cesar, in dessen Wohnung wir leben und es gibt Whisky!