Rassismus und Diskriminierung

Wieder einmal die Herausforderung Taxi: Antonio will mit der Metro zu seiner Familie und ich alleine mit dem Taxi zurueck nach Hause. Antonio begleitet mich zu einer Taxigesellschaft, die zu einem Einkaufszentrum gehoert und uebergibt mich dem Taxifahrer; man scherzt ueber Sicherheit. Ich steige ein, wir kommen ins Gespraech und als der Fahrer erfaehrt, dass ich Deutsche bin fragt er: Stimmt es, dass es in Deutschland viele Rassisten gibt? Das muss ich ihm leider bestaetigen. Nicht von Seiten der Regierung oder der Politik, auch keineswegs die Gesetzgebung. Aber seien wir ehrlich: es gibt leider viel zu viele Menschen mit Vorurteilen in Deutschland, es existiert ein latenter Rassismus und es ist keineswegs egal, welche Hautfarbe, welche Nationalitaet, welchen Koerperumfang und in juengster Zeit vor allem leider nach nur 60 Jahren schon wieder, welche Religion man hat. Wir diskriminieren immer noch, vielleicht unterbewusst.Das ist  hier anders. Ich habe noch kein Land erlebt, in dem es so egal ist wie hier, ob Du dick oder duenn, gross oder klein, schwarz oder weiss, Christ oder Moslem bist. Vielleicht liegt es daran, dass dieses Land eine schwach ausgepraegte eigene Kultur hat und es keine klare Vorstellung von „dem Venezoelaner“ gibt.Man wird voellig „indiskriminiert“ behandelt, das hat viel Gutes, es macht das Miteinander einfacher, offener, geloester. Tatsaechlich sind alle Begegnungen hier bisher immer frei und angenehm verlaufen, die Menschen sind herzlich, gastfreundlich, nett, offen und neugierig auf „das Andere“. Selbst der oben erwaehnte Taxifahrer liess sich ueberzeugen, dass es zwar im Vergleich zu Venezuela viel mehr Vorurteile und Rassismus in Deutschland gibt, aber dass er nicht so schlimm ist, wie es in den Filmen, die er erwaehnt hatte und aus denen er sein Wissen bezogen hatte, immer dargestellt wurde. Er hatte einfach viele Fragen und wollte etas ueber Deutschland lernen. Das wuerde ich mir in Deutschland auch etwas mehr wuenschen.Doch leider trifft das „indiskriminierte“ auch auf die Ueberfaelle zu. Diese verschonen keinen: schwarz oder weiss, arm oder reich, jung oder alt, Tourist oder Einheimischer: alle werden zu Opfern.  Wir haben inzwischen live miterlebt, wie es auch den Sohn eines (anderen) Taxifahrers erwischt hat, von der Polizei ausgeraubt zu werden. Und jeder (!) dem wir das erzaelt haben, war ebenfalls schon Opfer dieser „behoerdlichen Eingriffe“ in den Geldbeutel.