Der Chavista

Unser Gastgeber und seine Freundin sind „Chavistas“, Anhaenger von Chavez. Nicht von Anfang an. Sondern seit dem „Paro Petrolero“. Das war 2002, als die Chavez Gegner einen Streik in der Oelindustrie durchgefuehrt hatten. Viele Unternehmen sind damals Konkurs gegangen, er und seine Freundin wurden entlassen. Seine Geschwister wurden ebenfalls arbeitslos. Die einzige Einnahmequelle damals war die von Chavez eingefuehrte Rente fuer alle. So konnten er, seine 3 Brueder und seine Mutter ueberleben. Dafuer ist er Chavez immer noch dankbar. Seither arbeitet er in der IT Abteilung des Parlaments.

Es stimme nicht, dass alle, die im oeffentlichen Sektor arbeiten, Chavez Anhaenger seien. Ueber 60% der Angestellten des Parlaments seien Chavez Gegner. Dann kritisiert er die einseitige Informationspolitik der Oppositions-Presse und des Fernsehens, das zum Grossteil in der Hand der Opposition sei. Klar gebe es noch viel zu tun, und auch Chavez mache Fehler, aber er stehe wenigstens zu diesen, informiere darueber und korrigiere diese dann. Ueberhaupt sei er der erste Praesident „zum Anfassen“, der die Bevoelkerung informiere. Mit „Halo Presidente“, der 5-stuendigen Sendung jeden Sonntag, in der meistens Hugo Chavez persoenlich redete, informiere dieser ausfuehrlich ueber seine Aktivitaeten und die Resultate.

Mit faellt ein, dass es mich oefters positiv ueberrascht hat, wie oft in Artikel  und Publikationen, aber auch auf Schildern genaue Zahlenangaben gemacht werden. Da steht nicht: es werden 30.000 Wohnungen gebaut, sondern 31.177 Wohnungen.

An Chavez begistert ihn, dass er dem Immobilienbetrug ein Ende bereitet hat. Wollte man sich in Caracas eine Wohnung kaufen oder bauen musste man viel Geld anzahlen. Uns es passierte nichts. Mit diesem Geld wurden dann andere aber nicht die eigenen Wohnung angefangen, um diese neuen potentiellen Kunden zu zeigen, damit diese auch kaufen. Nach zwei Jahren Wartezeit wurde dann der Preis erhöhot. Angeblich wegen Inlation, Verteuerung der Baustoffe u.a. Damit hat Chavez Schluss gemacht. Er hat die Baumaterialen einfach konfiszieren lassen, die Bauherren teilweise enteignen. Jetzt können sie sich sowas gemeines nicht mehr erlauben.

Der Alltag unseres Freundes beginnt um halb sechs morgens, er verlaesst um halb sieben das Haus, um mit der Metro zur Arbeit zu fahren. Zeimal umsteigen, ueber eine Stunde Fahrt. Abends um sechs ist er wie die meisten Caraceños wieder zu Hause. Essen, fernsehen, Bett. Am Wochenende geht es in die Berge oder ans nahe gelegene Meer. Raus aus dem stinkenen und lauten Moloch.