Kultur für’s Volk

In Merida sind wir am Nachmittag zuerst zur Plaza Bolivar, in allen Staedten der zentrale Platz. Es gibt dort immer eine Kirche, den groessten Palast im Ort, meist das Rathaus und eine Statue von Simon Bolivar, manchmal auf einem Gaul, manchmal Staatsmaennisch gediegen. Auf der Plaza Bolivar von Merida wurde am Nachmittag ein Theaterstueck auf der Strasse aufgefuehrt. Ungefaehr fuenfzig Zuschauer.

Danach sind wir bei unserem Spaziergang zufaellig auf ein Centro de la Cultura gestossen. Furchtbar haesslich von aussen, sieht aus wie ein Parkhaus. Aber drinnen war der Hammer! Es war zwar immer noch haesslich, alles Beton, aber was mich begeistert hat, war das Konzept! Wenn ich an die Urania in Berlin oder den Gasteig in Muenchen denke, dann sehe ich viel Kultur, die „konsumiert“ wird: man geht hin und schaut oder hoert zu, was einem geboten wird. Hier in Merida ist es ein Platz, um selbst Kultur aktiv zu erschaffen und jeder kann mitmachen! So haben wir zum Beispiel Breakdancer beim Ueben auf den spiegelblanken Platten bebachtet, daneben eine Gruppe Hip Hop Taenzer – sie bringen Ihre Musik und Ausruestung mit und ueben dort.

Weiter vorne hat eine Gruppe Menschen irgendeine der Asiatischen Yoga – Feng-Shui – Ayurweda oder was weiss ich was betrieben (merkt man, dass ich mich da nicht auskenne?) 🙂 und auf einem anderen Zwischenstock hat eine junge Frau drei Jungs asiatische Kampfkunst mit einem Bambumrohn beigebracht. Wieder an einer anderen Stelle hing ein meterlanges Tuch vom dritten in den ersten Stock, an dem Akrobatik geuebt wurde. Im Keller gab es im „Gang der Poesie“ Litfass-Saeulen mit Poesie, weiter hinten ein Atelier, in dem selbst die traditionellen Venezoelanischen Teufels-Masken hergestellt werden koennen. Am Ende des Kellers gab es dann noch ein Bolivarianisches Mitmach-Radio und eine kostenlose Assistenz von Anwaelten fuer Arme. Dazu kostenlosen Unterricht in Computernutzung, eine Kinothek, einen Theater und Konzertsall, in den ca. 80 gleich blau gekleidete Jungendliche verschwunden sind fuer eine Auffuehrung ein paar Stunden spaeter. Wow! Das hat mich beeindruckt!

Als wir die Besichtigungstour im Keller beendet haben, sind wir eingesperrt, zusammen mit einer Mitt-Fuenzigerin. Der Hausmeister laesst uns wieder raus und ploetzlich redet die Dame wie wild auf Antonio ein, eine Flut an Fluechen und Beschwerden, so schnell kann ich gar nicht mitschreiben! Es geht um einen lokalen Politiker der in 2 Stunden hier auftauchen soll und fuer den sie arbeitet und sie fuehlt sich von ihm ausgenutzt und immer die ganze Drecksarbeit und dann ist er so unzuverlaessig, undsoweiterundsofort. Nach ein paar Minuten ist das Gewitter vorbei und sie laesst den verdutzten Antonio stehen.

Abends wollen wir noch in eine Bar, aber alle drei Bars, die uns empfohlen wurden, sind dunkel, geschlossene Schuppen mit Super-lauter Musik, die Dir schon draussen den Magen vibrieren laesst und Schlange vor der Tuer. Darauf haben wir keine Lust.

Die Anden

Wir sind am Donnerstag hoch in die Berge gefahren, nach habe dort in einem kleinen Ort namens Timotes uebernachtet, es war kalt und neblig. Wir sind zuefaellig in eine Kommunion geraten. Dort ist es Brauch, sich mit Mariachi, mit traditionellen Musikern abbilden zu lassen. Aber ansonsten schien die Kommunion wie bei uns auch: viel Aufregung und Stress fuer gross und klein. Hier in Timotes wird ein schwarzer Heiliger verehrt. Was fuer uns ungewoehnlich ist, und mich daran erinnert, dass ich auch mal schreiben sollte, dass hier alle Haut und Haarfarben und auch Religionen zu finden sind und es keine spuerbare Diskriminierung aufgrund der Rasse oder Religion gibt.

Die Architektur in den Andern ist voellig anders als auf dem Flachland. Kleine, flache und oft dunkle dafuer leichter heizbare Haueser. Am Freitag, den 1. Juni sind wir dann auf den hoechsten befahrbaren Berg Venezuelas gefahren, den Pico del Aguila, 4118 Meter. Dort werden Condore gezuechtet und die Luft ist duenn. Es ist neblig und kalt. Bei der Abfahrt haben wir die Zucht-Condore besucht, ein trauriger Anblick. Das Maennchen vom Weibchen getrennt, weil sie sich nicht moegen und keine Nachkommen zuechten. Was auch schwierig ist, denn ein Condor Weibchen legt nur alle 2 Jahre ein Ei. Und sie sind ungelenkig, wer weiss, ob das mit dem Sex so richtig klappt. Danach sind wir noch an einem Stern-Observatorium vorbeigekommen.